briefe aus afrika
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Briefe aus Afrika – August 1970 II

Ettiswil, Schweiz – 1. August 1970

Ihr Lieben in Waibstadt!

Darf ich wieder einmal zu einem kurzen brieflichen Besuch kommen? Ob die Buben überhaupt Zeit haben vor lauter Vakanz? Gelt, die Ferien müsst Ihr doch gründlich ausnützen, damit hernach die Schule wieder schmeckt.

Jetzt aber zuerst allen einen allerherzlichsten Gruss aus der Schweiz. Für zwei Wochen bin ich hier gewesen und werde nächsten Mittwoch wieder nach Rom, in das heisse Italien, zurückfahren.

Heute ist der grosse Schweizer Nationalfeiertag zur Erinnerung an den Zusammenschluss der Kantone. Seitdem ist dem Lande der Frieden erhalten geblieben. Das spürt man auch. Die Leute sind sehr arbeitsam und rührig, sehr sauber und ordnungsliebend. Die schmucken Häuser mit den roten Geranien sind jedesmal ein erfreuliches Bild. Gestern abend – ich schreibe heute am Sonntag – weiter, war noch ein grosses Feuerwerk mit Musik und Tanz bis tief in die Nacht hinein. Die Feuer rings auf den Bergen waren mit das Schönste u. sagen sehr viel. Licht und Feuer sind zeichen für vieles. Die Jugend hatte es besonders wichtig. Wie ich hörte, hielt ein Student die Festrede, und da haben die Schweizer Verständnis, dass die jungen Menschen auch in die Verantwortung und die Politik hineinwachsen.

Tante Kathel aus Karlsruhe besuchte mich für zwei halbe Tage, und auch Tante Urschi aus Mainburg war für einen Tag da. Beide hat die Schweiz gut gefallen. Eine frühere Schülerin, dir als Architektin im Kreisbauamt in Starnberg angestellt ist, suchte mich für 2 Tage auf und gab mir noch ein paar Winke für unsern Neubau hier. Bis jetzt ist alles gut geworden. Im September soll alles fertig sein, es gibt noch eine ganze Menge zu tun bis dahin.

In Rom bin ich auch nicht arbeitslos. Ich sass beinahe wieder in einer Schule mit viel „Hausaufgaben“ und Terminen. Ihr Kleinen, darum weiss ich schon wie die Schule schmeckt und wie schön es ist, wenn gute Noten und Ergebnisse die Arbeit lohnt. Darf ich fragen, wie bei Euch die Zeugnisse ausgefallen sind? Bei Dieter fange ich an, denn da tippe ich doch nicht schlecht. Ist Inge schon in der Schule? Zu einem langen Ferienbrief von Euch allen könnte es ja schon auch einmal reichen. Wer macht den Anfang? – Ein wenig helft Ihr bestimmt auch Papa auf dem Feld und im Stall, denn das Taschengeld soll schon verdient sein, oder? – Kommt in diesem Jahr auch jemand nach Bayern? Wenn nicht, dann helft schön zusammen und nützt die schulfreien Tage aus.

In Rom war es recht heiß vor meiner Abfahrt, und die Zeitung sagt täglich, dass die Hitze nicht nachgelassen hat. Da kann ich dann wieder gründlich schwitzen. Wir haben dort im Oktober das Generalkapitel, und dazu kommen Schwestern von allen Missionen. Das gibt dann eine bunte Runde, weil auch Koreanerinnen, Filipinas und Brasilianerinnen mitkommen. Die Verhandlungen sind nicht gerade so schwer z.Z. Zwischen UDSSR und BRD.

Noch ein Hinweis: Wie wäre es, wenn Ihr Tante Kathel zum 50. Geburtstag einen gemeinsamen Brief schreiben würdet? Es gibt doch Zeichner und Maler unter Euch. Bestimmt würde sie sich darüber freuen, und jedes soll seine Unterschrift darunter setzen. Oder fährt vielleicht auch Papa zum Fest? Übrigens hat Papa am gleichen Tag Namenstag, da seid Ihr dann schon im Vorbereiten. Macht ihm ein schönes Fest und helft Mamma in diesen Tagen auch. Also, das ist ausgemachte Sache!!!

Jetzt noch einmal herzliche Grüsse an alle, auch an Karl-Heinz, Ursula und Maria mit ihren Familien. Macht aber meine Schreibfehler nicht nach, die Maschine ist ungewohnt für mich. – Alles Gute!

Eure Schwester Lintrud K.

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