briefe aus afrika
Hinterlasse einen Kommentar

Briefe aus Afrika – August 1970 I

Ettiswil, 1. August 1970

Lieber Bruder Lenz!

Diesmal kommen die Glückwünsche zu Deinem Namenstag aus dem Schweizerländle. Von Herzen wünsche ich Dir alles, alles Gute! Vor allem wünsche ich Dir eine starke Zuversicht und allerbeste Gesundheit, damit Du Deiner Familie noch lange der sorgende Vater sein kannst. Gott segne Dich und die Deinen alle Tage!

Kathel hat mich hier kurz besucht vor ihrer Fahrt in die Heimat und hat dabei auch von dem Besuch in Waibstadt erzählt. Sie meinte, dass soweit alles in Ordnung sei, und hat sich recht lobend über das neue Haus ausgesprochen. Maria hat damit eine schöne Wohnung bekommen und wird sich darüber freuen. Ich frage mich nur, wie Du das schaffen konntest, denn das Bauen kostet wirklich viel Geld und noch mehr Nervenkraft. Mit Dir freue ich mich, dass es gelungen ist. Ein Zeichen, dass Dich die altgewohnte Tatkraft nicht verlassen hat. Übernimm Dich aber nicht, bitte. Freilich, die Kinder brauchen und erwarten einen vollen Einsatz. Nun sind die drei Ältesten schon versorgt. Dass Karl-Heinz in seiner eigenen Familie guten Halt bekommen hat, wird Dir auch eine grosse Erleichterung sein. Ich weiss, dass Du die letzten Jahre sehr darunter gelitten hast. Hoffen wir zusammen weiter, dass es nun auch wirklich durchhalten kann und den Vorteil eines arbeitssamen Lebens erfährt. Wiederholt hörte ich, dass seine Frau und Schwiegermutter einen wirklich gediegenen Eindruck machen. Damit hätte er auch den nötigen Halt. – Ursula sollte nicht so gesund sein. Das tut mir leid. Mann und Kind bräuchten eben doch eine gesunde Frau und Mutter. Aber in jeder Familie muss irgendeine Last mitgetragen werden. Wenn man tiefer hineinblicken kann, ist das überall so.

Du weisst vielleicht auch, dass Kathel am 10. August ihren 50. Geburtstag feiert. Ich habe Matthias geschrieben, damit ein kleines Fest aufgezogen wird. Der 10. August ist für uns ja schon wegen Vaters Namenstag immer ein besonderer Tag gewesen. In Deiner Familie wird es nicht anders sein. Die Kleinen werden es besonders wichtig ab. Du hast auch wirklich sehr geweckte und begabte Kinder, und ich wünsche von Herzen, dass sie alle einigermassen gut tun ihren Mann im Leben stellen können.

Vor zwei Tagen suchten mich auch Urschi und Luise aus Mainburg auf. Das Wiedersehen war mir schon eine Freude nach mehreren Jahren. Jedes hat seine besondere Aufgabe im Leben, und vor keinem von uns hat das Kreuz in irgendeiner Form Halt gemacht. Bei mir ist es nicht anders, und das ist gut so, denn ich bin ja nicht ins Kloster gegangen, um es bequem zu haben oder am Leben vorbeizukommen. Wir müssen und nur immer wieder die Augen blank reiben und die klare Sicht nicht verlieren. Sehr viel hilft mir da der Blick auf unsere guten Eltern. Sie haben uns schon die richtigen Grundsätze mitgegeben.

Nächste Woche fahre ich wieder nach Rom zurück. Es wartet dort eine grosse Aufgabe für die ganze Kongregation: das Generalkapitel. Seit drei Jahren helfe ich mit an der Vorbereitung, und dies war mitunter ein saueres Stück Arbeit. Dennoch habe ich dabei sehr viel gelernt und Einblicke nehmen dürfen, die ich sonst wohl nie bekommen hätte. Das ist ein grosser Gewinn.

Lieber Lenz, nun wieder Schluss. An die ganze Familie lege ich einen allgemeinen Brief bei. Dir noch einmal die allerbesten Wünsche zum 10. August! Täglich bete ich für Dich und die Deinen, und sicherlich schliesst Du Dich an. Mit herzlichen Grüssen bin und bleibe ich

Deine Schwester Lintrud K.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s