über den horizont
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Flieg, Fliiieg – ein luftiger Ausflug nach Garmisch-Partenkirchen

Hundert Meter ist der Anlauf. Der Atem steht still. Die letzten Sekunden werden runtergezählt, bis sich die Hände vom Brett lösen. Die Beine sind gebeugt und die Knie fest stabilisiert. Nur die Spannung hält den Körper auf der Bahn. Rasant steigt die Geschwindigkeit. Der stechende Wind bläst ins Gesicht. Wie eine Kanonenkugel schießt der Skispringer im richtigen Moment vom Schanzentisch in die Menge. Könnte er jetzt den Blick genießen, wären es traumhafte Sekunden.

Er schwebt in der Luft und unter ihm liegt das 26.000 Seelen-Dorf Garmisch-Partenkirchen. Wie auf dem Präsentierteller zeigt sich eine der bekanntesten deutschen Winterorte. Schmuck und gar zart sind die Häuserfassaden. Liebevoll verziert, erzählen sie von einer anderen Zeit: von romantischen Kutschfahrten und abenteuerlichen Bergbesteigungen. Wie verschlafen, liegt der heilklimatische Kurort am Fuß des höchsten Berges Deutschlands – der Zugspitze.

Der Zauberberg, wie er genannt wird, ist heuer Anziehungspunkt für Touristen aus aller Herren Länder. Gerade Besucher aus dem arabischen Raum sind ganz fasziniert, so nah an München Schnee spüren zu können. Binnen eineinhalb Stunden ist man mit dem Auto von der bayerischen Landeshauptstadt München in zwei der größten deutschen Gletscher. An der Flanke der Zugspitze garantieren der Nördliche Schneeferner und der Höllentalferner weißen Schneegenuss fürs Auge. Die Zugspitze sei wohl einst ein Geschenk des österreichischen Kaisers Franz-Joseph an die bayerische Prinzessin Elisabeth „Sissi“ gewesen. Die zwei Länder treffen sich heute am Westgipfel des Berges. Trotz der viel beeindruckenderen Bergspitzen in den Nachbarregionen Österreichs und der Schweiz ist der Stolz um das Bergplateau der Zugspitze in der Region spürbar. Mit 2.962 Metern markiert das dominante Gipfelkreuz die Spitze des Wettersteingebirges in den Ostalpen.

Der Blick vom höchsten Punkt Deutschlands ist wahrscheinlich genauso beeindruckend, wie die Perspektive des Skispringers von der Olympiaschanze. Schon Anfang des 20. Jahrhunderts sprangen in Garmisch-Partenkirchen die ersten Wintersportler von richtigen Sprungschanzen. Seit über 93 Jahren versammeln sich die Sportfreunde zum traditionellen Neujahrs-Springen. Heute ist das Event als eine der vier Stationen der Vierschanzentournee bekannt. Die Olympischen Winterspiele 1936 prägten am stärksten das Bild der heutigen Sprunganlage. Auch im Stadtbild von Garmisch-Partenkirchen finden sich immer wieder Spuren des sportlichen Großereignisses. Der Kontrast zwischen bröckelnden Zuschauertribünen des Skistadions am Gudiberg und dem modernisierten „Olympischen Freischwinger“, wie der 62 Meter hohe Sprungturm heißt, könnte nicht größer sein. Die Reste der 1936er Jahre treffen in Garmisch-Partenkirchen auf modernste Wintersprungtechnik.

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