briefe aus afrika
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Briefe aus Afrika – Juli 1972

Kerschlach, 11.7.1972

Lieber Lenz und liebe Irma mitsamt den Kindern!

Langsam rückt die Ferienzeit für die Schulkinder heran, und darum melde ich mich nochmals an mit dem Angebot, ein paar Kinder für zwei bis drei Wochen – falls es Euch so recht sein sollte – mir hier in Kerschlach* auf unserm Bauernhof zu überlassen. Ich werde schon aufpassen, dass ihnen nichts passiert. Tante Kathel hat mich in ihrem letzten Brief wieder daran erinnert. Es entstehen für Euch keinerlei Ausgaben, ausser der Fahrt. Und zudem denke ich, dass Manfred sicher die Kinder bringen wird mit dem Auto. Er kann ja hier übernachten. Nun meine besondere Frage: Kommen nur Buben oder auch Mädels und in welchem Alter, damit wir die Zimmer richten können. Als Zeit käme allerdings erst Mitte August in Frage, weil vorher zwei Familien mit Kindern hier sind – auch aus dem Badenerland. Bitte, schreibt mir also umgehend, damit ich mich einstellen kann. Ich meine, dass die Ferien doch sicher bis Ende August, anfangs September dauern. Den Kindern tut sicher ein Bayernaufenthalt gut und sie dürfen auch so manches sehen in der Umgebung, d.h. es kommt auf das Alter an. Also, haltet nun „Familienrat“ und bringt die Jugend her! Ich freue mich drauf. Am liebsten wäre es mir natürlich, wenn Du, lieber Lenz einmal Begleitung machen könntest. Allerdings weiss ich auch, dass um diese Zeit auch für Dich viel Arbeit wartet. Aber vielleicht lässt es sich einrichten. Du kommst sonst wahrscheinlich das ganze Jahr über auch nicht zu Sonderfahrten aus dem Haus.

Heute kam der erste Brief von Manfred und Beate mit einem Hochzeitsbild. Die beiden jungen Leute – denn das sind sie – werden sicher zurechtkommen. Manfred ist wohl arbeitssam, und seine junge Frau wird entsprechend eingestellt sein. Bei einigermassen guter Gesundheit können heute junge Menschen sich schon eine Existenz gründen! Zufriedenheit und Arbeitsamkeit gehören dazu.

Auch Ursula hat unlängst beschrieben und sich zufrieden geäussert hinsichtlich ihrer neuen Umgebung, ihrer Familie und ihrer Gesundheit. Hoffentlich hält das Wohlbefinden an! – Karlheinz wird auch seinen Mann stellen, denke ich. Und die andern wachsen tüchtig nach.

Wie geht es Euch beiden gesundheitlich und auch sonst? Die Tage sind angefüllt mit Arbeit, wie bei uns auch. Wir haben ziemlich nasses Wetter. Die Heuernte war gerade leicht; einiges war recht gut, das andere wurde verregnet. Die Getreidefelder stehen üppig da, d.h. der gestrige starke Wind mit Regen hat einen guten Teil richtig eingeworfen, und so gibt es beim Mähen eine Menge „Lagerfrucht“. Aber immer noch besser als das Hagelwetter, das in der nächsten Umgebung vor einigen Wochen niedergegangen ist und so ziemlich alles in den Erdboden hineingewalzt hat.

Mir geht es ordentlich. Ich mache die Verwaltung auf dem grossen Betrieb und bin gerade fest daran, einen Plan für die Althofsanierung fertigzustellen. – Vor 14 Tagen wurde der Hausherr von Kathel, Herr Heinlein, beerdigt. Nach einem Schlaganfall starb er im Tutzinger Krankenhaus. Kathel, Matthias, Martin und Maria aus Mainburg waren gekommen, und ich kam auch noch dazu. Das kurze Treffen hat uns allen gut getan. Der junge Huber Martin hat ein besonders gutes Abitur abgelegt mit Note EINS. Das freut auch alle. Jetzt arbeitet er in den Ferien daheim mit.

Nun wieder Schluss! Bitte, gebt mir bald eine – wenn möglich positive Antwort. Und lasst Euch dazu recht herzlich grüssen von Eurer

Lintrud K.

* Das Gut Kerschlach liegt zwischen Ammersee und Starnberger See und wurde bis in die 90er Jahre von den Klosterschwestern aus Tutzing (Missions-Benediktinnerinnen) bewirtschaftet. Weitere Informationen gibt es hier.

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