über den horizont
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„Arbeit macht frei“ – das Tor zum Dachauer KZ

Arbeit macht frei“ – so makaber der Schriftzug auch sein mag, so einprägsam ist er auch. Die massive, schwarze, schmiedeeiserne Tür am Konzentrationslager in Dachau trägt die schaurigen Lettern. Sie trägt eine Geschichte von Schrecken und Macht. Sie ist das Tor zur Vernichtung durch Arbeit und nun verschwunden. Ein Mahnmal an all diejenigen, die im KZ in Dachau leiden und sterben mussten, wurde entfernt. Gestohlen wurde nicht nur ein eisernes Tor – gestohlen wurde ein Stück Erinnerung.

Die zynische Parole scheint so harmlos und unscheinbar, wie das Lager selbst. Ordentlich und sauber sind die Barackenreste des Konzentrationslagers in Dachau zu besichtigen. Die Reste einer Schreckensherrschaft sind für jedermann offen. Offen, um diese deutsche Geschichte mit den eigenen Augen zu sehen – zumindest was davon noch übrig geblieben ist. Sie wurde nicht verwischt und unkenntlich gemacht. Jedermann, ob Einheimischer oder Gast soll wissen, was an diesem Dachauer Ort passiert ist: Schikane, Folter, Mord. Vor über 80 Jahren wurde das Konzentrationslager Dachau für politische Gefangene errichtet – als Modell und Versuchslabor für alle weiteren Lager. Bis zur Befreiung durch die amerikanische Truppen 1945 wurden in den Mauern des KZs über 200.000 Menschen aus ganz Europa inhaftiert. Ein Viertel überlebte dies nicht.

In den Gemäuern des Dachauer Lagers ist der Geist dieser schweren Tage noch zu spüren. Schwermut, Bestürzung und Trauer kommen unwillkürlich in einem hoch. Der Kloß im Hals wird von Schritt zu Schritt immer größer. Ganz körperlich in einer Gaskammer zu stehen, so unscheinbar sie auch wirken mag, ist schrecklich. Das ist so irreal, dass es einem übermannt.

Von der bayerischen Landeshauptstadt München dauert die Fahrt in die Vergangenheit nur zwanzig Minuten. Endstation der S-Bahn ist Dachau. Von da geht es direkt mit einem Bus zur Gedenkstätte, die 1965 auf Initiative der überlebenden Häftlingen eröffnet wurde. Auf dem „Weg des Erinnerns“ wird man abgeholt. Eine Einordnung mit Hintergrundinformationen begleitet einem zum Konzentrationslager. Von da aus reicht ein Blick auf den großen Appellplatz, um die Erinnerung lebendig werden zu lassen – mit oder ohne Tor.

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