über den horizont
Hinterlasse einen Kommentar

Goldene Zeiten in der goldenen Stadt Prag

Wer Heidelberg liebt, wird Prag vergöttern. Wie ein Stück Heimat gewürzt mit Ostcharme wirkt die Stadt an der Moldau. Die Hauptstadt Tschechiens begeistert mit einer Fülle von Altbau-Fassaden. Was man in deutschen Städten meist nur noch partiell vorfindet, ist hier die Grundsubstanz des Stadtgesichtes. Verschnörkelt, stolz und vor allem echt – so zeigt sich die Prager Innenstadt. Auch wenn große Teile Prags durch Renovierungen neu rausgeputzt wurden, scheint doch an der ein oder anderen Stelle die Geschichte der bewegten Stadt hindurch. Die Risse an den Stuck-Ornamenten eröffnen einen kleinen Blick in vergangene Zeiten. Zeiten als die goldene Stadt als politisch-kulturelles Zentrum Mitteleuropas glänzte. Der Mix aus böhmischer, deutscher und vor allem auch jüdischer Kultur zieht sich durch die ganze Prager Innenstadt. Gerade die Gründung der ersten deutschsprachigen Universität 1348 prägte Prag als Wissenshochburg. Bis heute bestehen innerhalb der deutschen Hochschullandschaft enge Verbindungen zur bevölkerungsreichsten Stadt der tschechischen Republik. Besonders die Erasmus-Studenten erfreuen sich der deutschen Lehrsprache.

Auch abseits der Lehrtempel ist die deutsche Sprache noch allgegenwärtig. Nicht nur, dass die meisten Prager fließend Deutsch sprechen und verstehen, auch die Speisekarten gibt es meist in doppelter Version. Aber nicht nur die sprachlichen Verbindungen lassen einen gleich sehr heimisch fühlen. Knurrt der Magen nach einem langen Spaziergang durch die engen Prager Gassen, kommt einem die böhmische Küche sehr vertraut vor. Im U Parlamentu in der Valentinska 8 beispielsweise kehrt es sich besonders gut ein. Bei einem Pilsner Urquell sitzt man in gemütlicher Wirthaus-Atmosphäre zwischen Einheimischen und Touristen. Eng verwandt mit der süddeutschen-bayerischen und österreichisch-ungarischen Küche, darf der Schweinsbraten und das Gulasch mit Knödel nicht fehlen. Ganz der Klassiker ist auch der Palatschinken mit saisonaler Füllung. Kurz vor der kulinarischen Ohnmacht wird dann noch der Obstknödel aus frischem Hefeteig aufgetischt – geschmacklich ein wirkliches Highlight.

Abseits der Touristenströme fallen einem gerade im Stadtteil Žižkov die vielen neu-eröffneten Restaurants auf. In den schmalen und steil abfallenden Straßenzügen des Bezirks Praha 3 entwickelte sich in den 90er Jahren aufgrund der günstigen Mieten eine rege Künstler- und Kneipenszene, die bis heute die hiesigen Studenten anzieht. Kleine, individuelle Lokale und Cafés haben sich in den Jugendstilbauten eingenistet. Besprayte Jugenstilfassaden treffen schnieke Altbauten – alles wirkt etwas rauer und kontrastreicher. Da findet sich der Nobel-Koreaner Hanil in der Slavíkova 1581/24 in unmittelbarer Nähe zur gemütlich-abgelebten Bar Bukowski in der Bořivojova 689/86. In mitten von Rauchnebeln klirren die Gin-Gläser. Der Alkohol fließt. Besonders wenn man die Münchner Lokalpreise gewohnt ist, fühlt man sich hier wie der König. Das letzte Getränk des Abends sollte man, wie von Einheimischen empfohlen, im Palác Akropolis bestellen. Auf unterschiedlichen Ebenen ist für Jeden etwas dabei. Je nach Tanzlaune kann man schnell von der Bar zum Club wechseln. Immer dabei ist auch der Glimmstängel. In Tschechien ist wohl das Rauchen ein fester Bestandteil des Alltags. Ganz ungewohnt werden die Zigaretten fast überall angezündet. Ob im Gasthaus mit Kindern oder abends in der Bar, keiner muss für den Suchtgenuss in die Kälte.

Preislich ist Prag gerade auch für Studenten noch sehr erschwinglich. Längst die Sowjet-Zeiten hinter sich gelassen, strebt Tschechiens Vorzeigestadt mit Elan Richtung europäischem Westen. Die Ladenlokale sind genauso von den üblichen Handelsketten besetzt wie in den europäischen Großstädten – von H&M bis DM und Rossmann blinken die bekannten Marken von den Reklamwänden. So ziehen natürlich auch die Preise allmählich an. Im direkten Vergleich jedoch ist Prag gerade für einen Wochenend-Trip von München wirklich günstig. Täglich fahren die bekannten Busanbieter (IC Bus von DB, FlixBus, Eurolines) in die tschechische Hauptstadt. Empfehlenswert ist – vor allem wenn man frühzeitig bucht – der ExpressBus der Autobus Oberbayern GmbH. Der komfortable Linienbus fährt vom ZOB täglich in knapp 5 Stunden über Regensburg, Pilsen nach Prag und zurück. Da heißt es, Tasche packen und ganz spontan ab Richtung goldene Stadt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s