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Wettervorhersage: Tiefdruck in München

Kaum war ich zwei Wochen in München, kippte ich schon in der U-Bahn um. Zack – wurde mir morgens auf dem Weg zur Arbeit zwischen all den Menschen, Berufspendlern und Touristen schwarz vor Augen. Nur ein rettender Hechtsprung aus der Bahn verhinderte Schlimmeres. Mit Schweiß auf der Stirn lag ich nun so auf dem Münchner U-Bahn-Wartesteig. Mit tiefen Atemzügen versuchte ich meinen Kreislauf wieder stabil zu bekommen.

Das sollte nicht das letzte Mal eines Kreislaufzusammenbruchs hier in der bayerischen Landeshauptstadt gewesen sein. Das Leben in München ist quasi untrennbar mit diesem Zustand verbunden. Jede zweite Woche stelle ich mich schon darauf ein: Achtung Kreislauf-Wetter! Wenn ich mit der Bahn unterwegs bin, achtete ich stets darauf mich nahe an der Tür zu platzieren, die Notfall-Tropfen sind schon griffbereit. Auch Schokoriegel und Cola gehören präventiv zu meinen täglichen Begleitern. Zu Beginn war ich noch fest davon überzeugt, dass nur die Umstellung auf das Münchner Arbeitsleben dafür verantwortlich war. Zugegeben: früh aufstehen ist nicht meine Stärke. Aber sind wir mal ehrlich! Ich arbeite im Kreativbereich und da ist Aufstehen vor 8 Uhr eine Seltenheit.

Daher brachte ich mehr Bewegung ins Leben. Joggen ist die neue Wunderwaffe – hoffe ich zumindest. Tatsächlich fällt es einem hin und wieder schwer sich aufzuraffen und eine Runde um den Block zu laufen, aber es hat sich jedes Mal ausgezahlt. Mit roten Backen geht es einem einfach besser. Inzwischen hat sich sogar eine gewisse Routine eingeschlichen und ich starte hin und wieder auch ganz alleine. Und ja , liebe Mütter und Medizin-Ratgeber, es hilft.

Trotzdem gibt es natürlich die Tage an denen man einfach nicht aus dem Bett kommt. Das Kopfkarussell dreht sich dann sogar in der Waagerechten. Mit dem ersten Augenaufschlag weiß man schon ganz genau was los ist. Die Münchner schieben es an diesen Tagen immer auf den Föhn, aber so oft, wie ich den schwarzen Balken sehe, kann ja gar kein Föhn sein. Also habe ich begonnen, der Sache auf den Grund zu gehen und den Luftdruck in München zu beobachten. Das ist sozusagen meine ganz persönliche Feldstudie. Ich korreliere den Münchner Luftdruck mit meinem persönlichen Wohlbefinden. Dafür gibt es eine kurze Checkliste: Kann ich auf einem Bein stehen? Sehe ich alles im Sichtfeld oder ist der linke Rand verschwommen? Habe ich zittrige Hände und lasse alles fallen? Bekomme ich Schweißausbrüche und Herzrasen?

Sind diese Punkte erfüllt ist in München meist extremer Tiefdruck. Das ist natürlich nicht völlig überraschend, aber in dieser Deutlichkeit beeindruckt es mich dann doch. München liegt auf der Alpennordseite und ist gerade auch deshalb immer wieder für seinen berüchtigten Föhn bekannt. Rein physiologisch lasten auf jedem von uns über 20.000 Kilogramm Luft. Entsteht ein Tiefdruckgebiet nimmt diese Last um einige hunderte Kilo ab- und wieder zu. Das spüren dann vor allem wetterfühlige Menschen. Eine Studie des Helmholtz Zentrum München bestätigt, dass Personen nach einem Herzinfarkt dreimal so empfindlich für Wetterschwankungen sind wie zuvor. Heißt die Wettervorhersage also „Tiefdruck in München“, dann ist Vorsicht geboten. So bleibt einem nichts anderes übrig, als gerüstet zu sein!

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