zwischenmenschlich
Kommentare 2

Als ich vom Jahrhundert-Winter träumte

Drei Jahre ist es fast schon her. Da kam ich mit einer leisen Hoffnung nach München. Eine Hoffnung, die mich von Winter zu Winter trägt. Vielleicht weil der Winter verlässlicher ist als der Sommer. Kalt und Schnee sind in Deutschland mehr Garant, als Sonnenbrand und Hitzefrei. Diese Hoffnung ist das Bindeglied zur bayerischen Alpenmetropole. Sie hält mich hier, sie gibt mir Kraft – auch wenn die Stadt mein Herz nur bedingt berührt.

Die Hoffnung nach den Bergen

Es ist eine Hoffnung nach den Bergen – nach dem Winter. Nicht irgendein Winter. Ich träume von dem Jahrhundert-Winter. Es ist das Gefühl von Fliegen. Von Powder, der so luftig wie Zuckerwatte ist und mich trägt, wie eine große Welle. So leicht und doch so stabil. Wenn du jemals den süßlichen Flow des Winters gekostet hast, dann wird diese leise Hoffnung danach nie still.

Es ist die Sehnsucht nach den Alpen, die einem das Herz aufgehen lässt. Die die Lungen weitet, den Atem befreit. Berge, die die Träume in die Unendlichkeit schicken und vom Powder getragen werden. Es ist eine Hoffnung nach diesem Gefühl, dass manchmal leiser wird. Aber je näher der Winter rückt, desto lauter und intensiver wird die Melodie. Von Winter zu Winter setzt sich der Sound fort.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Die Frucht muss geerntet werden

Der Umzug nach München vor drei Jahren nährte die Hoffnung nach dem Jahrhundert-Winter. Es ist wie eine Frucht, die man nur zum richtigen Zeitpunkt greifen muss. Die Nähe zu den Bergen stärkte die Intensität der Hoffnung. Jeder Kilometer näher, erhöhte das Herzklopfen. Nun bin ich hier und warte von Jahr zu Jahr auf den Moment. Es ist dieser Moment, die Früchte endlich zu ernten.

Dieses Jahr habe ich wieder vom Jahrhundert-Winter geträumt. Von Woche zu Woche studierte ich die Schneeberichte – die Hoffnung wurde laut. Es musste dieser Tag kommen, der den großen Schnee bringt. Es musste dieser Tag kommen, der den Knoten löst und den Zauberwinter einläuten würde. Im Dezember war ich noch zuversichtlich. Dieser Monat ist die letzten Jahre einfach zu warm. Im Januar wurde die Sehnsucht schon greifbarer. Doch wie schrecklich grün war der Arlberg. So schneearm wie in diesem Jahr habe ich die Pisten noch nie erlebt. Kurzarm und Sonnenbrand waren die Folgen. Im Februar stieg schon die Nervosität, dass der große Schnee doch endlich kommen muss. Auf dem Kitzsteinhorn fiel der Blick auf das saftig-grüne Kaprun. Wie verrückt das Wetter manchmal sein kann. Die Aussicht ließ die Hoffnung zwar leiser werden, aber nicht schwinden. Im März wollte ich den Powder erzwingen und bin zur Sicherheit mehrmals nach Lech gefahren, um mich zu versichern, dass der Schnee nicht doch schon angekommen ist. Aber vergebens war die Reise. Es war zu warm, zu sonnig und das schlimmste: es regnete. Schnee und Wärme kann zauberhafte Momente kreieren. Doch sobald es regnet, ist die Hoffnung nach dem Jahrhundert-Winter verloren.

Winter Crescendo im Herzen

Nun ist die Schneesaison schon längst vorbei und die Hoffnung nach dem Jahrhundert-Winter verschoben. Alles auf Anfang. Noch ist der Sound des Schnees leise, aber er wird von Monat zu Monat wieder lauter. Winter Crescendo im Herzen. Die Hoffnung auf den Jahrhundert-Winter in München lebt weiter.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

2 Kommentare

  1. Anonymous sagt

    Dein Schreibstil erinnert mich an die Erzählung „Am See“ von Max Frisch. Ein bisschen Melancholie, ein bisschen Erwartung, ein bisschen Nachdenklichkeit, ein bisschen Hoffnung…

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s