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Die Wiesn: ein Fest der Paradoxa

Da hängt er nun in seiner vollen Pracht. Wird bewundert und von den Wiesn-Gästen angestaunt, der Mattl. Sein stolzes Gewicht von zehneinhalb Zentner prangt in der Ochsenbraterei groß auf einer Tafel – eine Art letzte Ehre. Ein Bulle wird aus seiner Anonymität gerissen und bekommt ein persönliches Gesicht. Irgendwie löblich bei der Masse an Tieren, die über den Oktoberfest-Tresen gehen. Wie schnell die tausend Wiesn-Bedienungen mit ihren starken Armen die großen Platten mit Fleischtellern über ihren Köpfen balancieren – eine nach der anderen – so schnell wird die Tafel auch wieder leer gewischt und mit Kreide neu beschrieben. Neuer Ochs auf dem Grill, neuer Name auf der Tafel. Ganz schön paradox diese Oktoberfest-Zeit. Ein Fest der Superlative scheint in der Öffentlichkeit als traditionelles Volksfest. Gar heimelig fühlt sich die Wiesn an. Eigentlich nur auf das Areal der Münchner Theresienwiese reduziert, ist es inzwischen ein Weltfest. Die Marke Oktoberfest ist kein Münchner Kind mehr, sondern expandiert in alle Herren Länder. Von den amerikanischen Staaten bis hin zum asiatischen Ableger. Der in der bayerischen Landeshauptstadt geborene Volksfest-Mythos …

180. Oktoberfest in Zahlen

Was Zahlen nicht ausdrücken, muss man erleben. Zum 180. Mal warten 95 Wiesn-Gastronomen mit über 12.000 Angestellten und 100.000 Sitzplätzen auf 6,9 Millionen Besucher aus aller Welt. In 14 große und 21 kleine Zelten werden fast 523.000 Brathendel und 110 Ochsen mit über 7 Millionen Maß heruntergespült. Mehrer tausend Kleidungsstücke, Ausweise, Geldbörsen und Regenschirme werden nach der Feierei wiedergefunden. Auch Campingstühle, Gebisse und Rollatoren gehen im Gewirr der Festbesucher unter. Und ich mitten drin.